| Interview
mit dem Autor Alexander Benra von der Schreibbloggade.
Alexander
Benra: Um was geht es in dem Roman "Der Sünde
Sold"?
Inge Löhnig: Es geht um Agnes, eine Frau, die Schreckliches
erlebt hat und nur noch vergessen und zur Ruhe kommen
will und deshalb in die scheinbare Idylle eines bayerischen
Dorfes zieht. Doch in diesem Dorf lebt ein Mann, der
sich berufen fühlt Sünderinnen zu bestrafen
und die Strafen der Inquisition dafür angemessen
hält. Außerdem gibt es einen Ermittler, einen
Kriminalhauptkommissar der Münchener Mordkommission,
Konstantin Dühnfort. Natürlich kommt er dem
Täter auf die Spur, auch wenn das nicht einfach
ist und Agnes, die immer mehr in das Geschehen verstrickt
wird, ihm dabei hilft.
Das ist die eine Ebene, die Handlungsebene. Auf einer
zweiten Ebene geht um die Freiheit des Handelns. Aber
wenn ich das nun erkläre, verrate ich zuviel.
Wie bist du auf die Idee
gekommen?
Auslöser war eine Radtour durch den Sauerlacher
Forst. Mitten im Wald, auf einer Lichtung, steht eine
Kapelle, dort haben mein Mann und ich Rast gemacht und
plötzlich war da die Idee: Das wäre eine tolle
Location für einen Mord. Doch wer mordet da wen
und vor allem, warum?
In den folgenden Wochen und Monaten hat mich diese Idee
beschäftigt, traten Figuren auf eine fiktive Bühne,
kristallisierten sich Motiv und Täter heraus, entwickelten
sich Handlungsstränge.
War die Recherche
sehr umfangreich? Wie bist du dabei vorgegangen?
Ich recherchiere wahnsinnig gerne. Dieser Teil der Arbeit
an einem Buch macht etwa ein Drittel der Zeit aus. Inzwischen
schreibe ich ja am dritten, deshalb kann ich das - so
über den Daumen gepeilt - sagen.
Vieles recherchiere ich im Web und prüfe die Informationen
dann gegebenenfalls noch nach. Außerdem lese ich
Bücher zum Thema. Für „Der Sünde
Sold“ waren das, neben anderen, eine Kinderbibel,
ein Buch darüber, wie man mit Fundamentalisten
diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren, eines über
Satanismus und auch eines über Sex und Folter in
der Kirche.
Als dritte Quelle habe ich Berater. Durch einen tollen
Zufall habe ich einen Kriminalhauptkommissar der Münchener
Mordkommission kennengelernt, ohne dessen Hilfe es mir
nicht gelungen wäre, das Thema Polizeiarbeit realistisch
zu beschreiben. Außerdem standen mir eine Psychotherapeutin
und eine Anästhesistin mit ihrem Fachwissen zur
Seite.
Verrätst du uns einen
Fehler im Buch?
Einen Fehler? Ein richtiger Fehler ist bis jetzt noch
nicht aufgetaucht. Es gibt allerdings eine Stelle, auf
die ich angesprochen wurde und das zu Recht. In „Der
Sünde Sold“ spielt eine Erzieherin eine Rolle.
Sie ist Agnes’ Nachbarin und will demnächst
heiraten. Das wird bei einem Treffen besprochen, bei
dem Agnes’ Bruder und der Verlobte der Nachbarin
anwesend sind. Die beiden Männer sind Motorradfreaks
und verabreden sich für das Wochenende nach der
Hochzeit zu einer Motorradtour. Für mich war klar
– hier kommt der Mutter-Tunnelblick – dass
die Hochzeitsreise erst stattfinden kann, wenn Ferien
sind. Denn die Ferienzeiten der Kindergärten richten
sich nach denen der Schulen, jedenfalls in Bayern. Erzieherinnen
sind also wie Lehrer an die Ferienzeiten gebunden. Mir
war das klar, aber natürlich nicht allen Lesern.
Das hätte ich besser mit einer Frage von Agnes
und der passenden Antwort von Melli klären sollen..
Wie kam der Kontakt mit dem
Verlag zustande?
Über meine Agentin. Sie hat das Manuskript mehreren
Verlagen vorgestellt. Ullstein hat ein tolles Angebot
gemacht, nämlich einen Vertrag für zwei Bücher
und so Dühnforts zweiten Fall, an dem ich zu dieser
Zeit schrieb, gleich mitgekauft.
Hast du Schreibblockaden,
und was machst du dagegen?
Richtige Blockaden habe ich eigentlich nicht. Es gibt
immer wieder Phasen, in denen es mit dem Schreiben sehr
zäh vorangeht. Inzwischen habe ich herausgefunden,
woran das in den meisten Fällen liegt. Entweder
kenne ich eine Figur nicht gut genug, um zu wissen,
was sie denken und wie sie reagieren würde oder
ich habe etwas nicht ausführlich genug recherchiert,
muss also nachrecherchieren oder ich muss Polizeiarbeit
beschreiben, die ja, wenn man sie realistisch darstellen
will, ziemlich langweilig sein kann. Ich will das aber
spannend machen und muss mir dann überlegen, wie
ich das am besten schaffe.
Wie geht es weiter?
Dühnforts zweiter Fall ist fertig und erscheint
im Februar 2010. Viel verraten kann ich darüber
noch nicht, aber immerhin soviel: Agnes wird darin wieder
in Erscheinung treten und diesmal geht es um die zerstörerischen
Kräfte, die innerhalb von Familien walten können.
Willst du auch in anderen
Genres schreiben?
Eigentlich nicht. Wobei es in meiner Schublade einen
angefangenen Roman gibt, der ursprünglich ein Krimi
werden sollte, das aber vermutlich nicht werden kann.
Da mir das Thema sehr am Herzen liegt und ich dafür
auch schon ziemlich viel recherchiert habe, werde ich
diesen Stoff ziemlich sicher noch mal anpacken.
Hast du Schreibanleitungsbücher
oder evtl. sogar besondere Software verwendet?
Ich habe einige Fachbücher zum Thema Handwerk des
Schreibens gelesen, nachdem ich mit meinem ersten Romanversuch
nach 200 Seiten grandios gescheitert war. Eine Drauflosschreiberin
bin ich also nicht. Das weiß ich seit dieser Erfahrung.
Zum Plotten verwende ich ganz normale Worddokumente
und keine spezielle Software. Ich entwickle die Geschichte,
die Figuren, entwerfe Handlungsstränge und überlege,
aus welchen Perspektiven ich erzählen will. Es
folgt die Erstellung eines groben Kapitelplans, der
dann immer mehr verfeinert wird – und das alles
in Word.
Wie überarbeitest
du einen Text?
In der Regel überarbeite ich den Text vom Vortag,
bevor ich weiter schreibe. Das ist der erste Überarbeitungsschritt,
der mir gleichzeitig hilft, in die Geschichte wieder
einzutauchen. Wenn die Rohfassung steht überarbeite
ich das Manuskript in zwei oder drei Durchgängen.
Dabei feile ich an der Sprache, beseitige Unklarheiten,
verschärfe nötigenfalls Konflikte, verbessere
Dialoge. Im nächsten Schritt geht es dann ans Kürzen.
Ich kürze gerne. „Der Sünde Sold“
hatte den richtigen Sog erst nachdem ich aus 550 Seiten
440 gemacht hatte.
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