Dezember
2009. Interview mit Albert Pusch, lovleybooks.de
15 Morde und eine Entführung „Auf
mein Konto gehen mittlerweile 15 Morde und eine Entführung.“,
schreibt die Autorin Inge Löhnig auf ihrer Webseite
und ergänzt: „- fiktiv versteht sich“.?Fasst
man die Meinungen zu Ihrem im Oktober 2008 erschienen
Buch „Der Sünde Sold“ zusammen, dann
käme vermutlich folgendes heraus: nichts für
schwache Nerven, packende Charaktere und ein fesselnder
Plot. Mit ihrem ersten Roman gelang Inge Löhnig
etwas, dass sich viele Autoren für ihren Erstling
wünschen. Im Februar 2010 erscheint nun ihr neues
Buch „In weißer Stille“, in dem auch
Kommissar Dühnfort wieder ermittelt…
LB: Seit etwas
mehr als einem Jahr ist Ihr erster Roman „Der
Sünde Sold“ nun zu haben, hat sich Ihr Leben
in dem Jahr nach der Veröffentlichung verändert?
IL: Und ob. Ich bin aus der Frau mit
Doppelbelastung (Hausfrau, Mutter und selbständige
Grafik-Designerin) zu einer Frau mit Dreifachbelastung
geworden. An „Der Sünde Sold“ habe
ich fünf Jahre geschrieben und nun sollte Dühnforts
zweiter Fall innerhalb eines Jahres fertig werden. Aber
nun Spaß beiseite. Das Schreiben macht mir sehr
viel Freude, daher war das Jahr zwar sehr arbeitsreich
aber auch sehr spannend.
LB: Die Rezensionen zu Ihrem ersten
Buch sind sehr positiv. Beschäftigen Sie sich mit
den Kritiken Ihrer Leser im Web?
IL: „Der Sünde Sold“
war ursprünglich nicht für eine Veröffentlichung
gedacht. Ich hatte dieses Buch für mich geschrieben,
weil ich wissen wollte, ob es mir gelingt, einen Roman
zu schreiben, den ich gerne lesen würde. Irgendwann,
als das Manuskript beinahe fertig war, tauchte dann
schon die Idee auf, es einem Verlag anzubieten. Da es
aber überall heißt, ein Erstling sei immer
für die Schublade, habe ich das doch nicht getan
und mich erst mit meinem zweiten Roman bei Agenturen
beworben und bin schnell in einer literarischen Agentur
mit dem Projekt untergekommen. Natürlich kam das
Gespräch auch auf den Erstling, der in der Schublade
schlummerte. Meine Agentin wollte ihn lesen, fand ihn
toll, bot ihn an und so fand „Der Sünde Sold“
zum Ullstein-Verlag.
Und jetzt komme ich endlich auf Ihre Frage: Dieses Buch
hatte ich für mich geschrieben und nun musste es
plötzlich vor Lesern bestehen. Natürlich hatte
ich Angst, dass sie es nicht mögen würden
und natürlich habe ich die Rezensionen im Web gelesen
und freue mich sehr, dass mein Erstling so gut ankommt.
LB: Die Figuren in Ihrem Krimi sind
facettenreich und liebevoll gestaltet, und einige haben
eine sehr bewegte Vergangenheit. Gab es Menschen aus
Ihrem Umfeld, die Sie zu den Charakteren inspiriert
haben?
IL: Ich freue mich immer wieder, wenn
ich höre, dass mein Personal als sehr lebendig
empfunden wird und natürlich liegt der Gedanke
nahe, ich hätte es aus meinem Umfeld entliehen.
Aber für die Figuren in „Der Sünde Sold“
und auch „In weißer Stille“ gibt es
keine realen Vorbilder. Wie komme ich also nun zu ihnen?
Das hat vermutlich drei wesentliche Gründe. Ich
bin eine Beobachterin und sauge Eindrücke auf wie
ein Schwamm. Außerdem hat mich schon immer interessiert,
was Menschen antreibt, sich so zu verhalten, wie sie
sich verhalten. Und dann habe ich noch ein Faible für
Psychologie.
LB: Sie sind Grafik-Designerin, haben
Sie das Cover zu Ihren Büchern selbst gestaltet?
IL: Weil ich Grafik-Designerin bin,
war mir von Anfang an klar, dass ich das Cover nicht
gestalten würde. Verlage investieren, wie viele
andere Unternehmen auch, in Designkonzepte und arbeiten
deshalb mit Designern und Designstudios zusammen, die
diese Vorgaben meist mitentwickelt haben und langfristig
umsetzen.
LB: Viele unserer Mitglieder haben
selbst den Wusch einmal ein Buch zu schreiben, was können
Sie Ihnen empfehlen, wie sollten sie anfangen?
IL: Mit Kurzgeschichten. Ich habe ja
gleich mit einem Roman begonnen und während der
fünf Jahre, in denen ich an ihm schrieb, überhaupt
erst gelernt, wie man einen Roman schreibt. Das war
harte Arbeit. Spannungsaufbau, Figurenentwicklung und
Plotentwicklung benötigen Kurzgeschichten aber
ebenso, wie ein umfangreiches Manuskript. Als Einstieg
sind sie sicher besser geeignet und der Erfolg wird
schneller sichtbar.
LB: Ihr neues Buch „In weißer
Stille“ erscheint im Februar. Wie viel können
Sie uns über das Buch verraten?
IL: Es ist natürlich wieder ein
Roman mit dem Ermittler Konstantin Dühnfort. Diesmal
muss er den Mord an einem pensionierten Kinderarzt aufklären,
der in seinem Wochenendhaus am Starnberger See von seinem
Sohn tot aufgefunden wurde. Zunächst sieht alles
nach Raubmord aus, aber für Dühnfort werden
hinter der scheinbar heilen Familienfassade schnell
andere Wahrheiten
sichtbar …
Die am häufigsten gestellte Frage zu Dühnforts
zweitem Fall: Spielt Agnes eine Rolle? Ich kann alle
beruhigen. Agnes ist wieder mit dabei. Allerdings hat
sie diesmal keine eigene Perspektive. „In weißer
Stille“ ist aus Sicht von drei Figuren geschrieben.
Neben Dühnforts Ermittlersicht gibt es die Perspektiven
von Caroline Heckeroth, der Tochter des Mordopfers,
die einem Geheimnis in der Vergangenheit auf die Spur
kommt und dann gibt es noch die Perspektive von Babs,
der Schwiegertochter des ermordeten Kinderarztes.
LB: Gibt es schon einen Städteplan,
wann und wo Sie auf Lesungen zu sehen/ hören sein
werden?
IL: Das ist eine schmeichelhafte Frage,
denn sie impliziert, dass ich schon so bekannt und erfolgreich
bin, dass der Verlag eine Lesereise für mich organisiert.
Ich hoffe natürlich, dass das irgendwann der Fall
sein wird. Im Moment hat Ullstein „In weißer
Stille“ in den Lesungsfolder aufgenommen und wirbt
so bei Buchhändlern und Veranstaltern für
Lesungen mit mir. Ich bin gespannt, was sich da ergibt.
Momentan stehen zwei Termine fest und einige sind im
Gespräch. Wer sich dafür interessiert, sieht
am besten gelegentlich auf meiner Website nach und/oder
trägt sich für den Newsletter ein.
LB: Frau Löhnig, vielen Dank für
das Interview und wir wünschen Ihnen viel Erfolg
mit Ihrem neuen Buch „In weißer Stille“!
IL: Ich danke Ihnen.
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